Top5 Produkte der Bärwurzerei Liebl

 

Interview - Gerhard Liebl bei Prämierung Edelbrand des Jahres 2012

  • Auszeichnung Edelbrenner des Jahres 2012
  • Gesamtsieger Destillata
  • Nationensieger Deutschland 2012

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Teil 1: "Land des Bärwurz"

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Vom Bärwurz zum bayerischen Single-Malt Whisky

Nicht nur für seinen legendären Bärwurz ist der Bayrische Wald bekannt. Gerhard Liebl jun. zog mit seinem noch jungen Whisky „Coillmór“ das Interesse der Stammkunden sowie der Fachwelt auf sich. Die Premiere seines ersten Single Malt-Whisky's bot einen Blick in den Betrieb des jungen Unternehmers.

Aus einer verrückten Idee, die Junior Gerhard Liebl schon länger hegte, entwickelte sich nun auf dem soliden Fundament der bisherigen Bärwurzerei und Spezialitäten-Brennerei die erste Whisky-Destillerie im Bayrischen Wald. Das bestehende Abfindungsbrennrecht war zunächst ein Handicap für die Umsetzung seines Vorhabens. Im Januar 2006 wurde dann die neue Holstein-Verschlussbrennerei installiert und im Februar floss der erste Single Malt aus der neuen Anlage. Liebl hat sich wie die Schotten für einen Single Malt aus 100 % Gerstenmalz entschieden. Der Name Coillmór ist gälischirischen Ursprungs, bedeutet „großer Wald“ und darf als Synonym für den Bayrischen Wald verstanden werden.

Auch die vor 40 Jahren gegründete Bärwurzerei (nicht -brennerei, weil der Bärwurz nicht gebrannt, sondern angesetzt und destilliert wird) ging auf die findige Idee seines Vaters zurück. Angefangen hat alles mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft in der Stadt, welches Großmutter Liebl Mitte der 30er-Jahre aufbaute und führte. Großvater Liebl war während des Krieges in Frankreich stationiert. Eine angenehme Begleiterscheinung daraus war die Berührung mit französischem Wein. Nach den schweren Kriegsjahren baute er in den 50er-Jahren eine kleine Weinkellerei auf. Wein und Spirituosen wurden als Fassware bezogen, unter eigenem Namen abgefüllt und in den Handel gebracht. Die Verschärfung des Weingesetzes Ende der 60er-Jahre und das Aufkommen der Supermärkte auch im Bayrischen Wald veranlassten den damaligen Firmeninhaber, Anfang der 70er-Jahre selbst mit dem Brennen zu beginnen. Bärwurz war eines der ersten eigenen Produkte. Der Betrieb wurde sukzessive erweitert und modernisiert. Heute sind Liebl senior und junior im Hinblick auf Produktqualität und Brennereitechnologie in Ostbayern führend. Mit im Sortiment sind neben Hochprozentigem über 400 verschiedene Weinsorten aus ganz Deutschland (Schwerpunkt mit 90 %), Frankreich, Italien, der Schweiz und Übersee. Als sich eine verstärkte Nachfrage nach Kräuterlikören abzeichnete, stieß G. Liebl mit seinem Blutwurz-Kräuterlikör in eine Nische vor. Ein kleiner, sehr feiner Markt wurde für das Premiumsegment im Whiskybereich ausgewiesen. Weder die Supermarktware für zehn Euro, noch die schottischen Whiskys erachtet Liebl als Konkurrenz, weil er eben ein bayerisches Produkt herstellt. „Es geht um die Ergänzung.“ In der heimischen Gastronomie sieht er noch großes Potenzial für bayerischen Single Malt Whisky. In einem offenen Gespräch am runden Tisch mit Vertretern des Zolls sowie der Herstellerfirma Arnold Holstein wurden die Möglichkeiten für eine Verschlussbrennerei sondiert. „Die Lösung wurde teurer, aber wir sind variabel“ zeigt sich der Brenner durchaus zufrieden. Von Anfang an wollte er die Anlage nicht nur für Whisky ausgelegt haben. Sie ist dennoch nach dem klassischen Pot-Still-Prinzip aufgebaut, besteht aber aus zwei verschiedenen Brenngeräten, einer Rohbrandblase und einer Feinbrandblase, beides mit Messuhr. Beheizt werden beide Anlagen mittels Wasserdampf, der extern erzeugt und in das Dampfbad eingeleitet wird. Der Rohbrand wird in den Zwischensammelgefäßen unter der Kolonne und dem Kühler gesammelt. Ein Rohbrand dauert etwa vier Stunden. Ist genügend davon vorhanden, wird er in die Feinbrandblase gepumpt. Durch die beiden Messuhren (Einheitsprobenehmer) kann gleichzeitig ein Rohbrand und ein Feinbrand destilliert werden. Gerhard Liebl ist Quereinsteiger. Wie der Vater hat er sich das Brennen autodidaktisch angeeignet. Inzwischen absolvierte er die Staatliche Versuchsanstalt für Obstund Weinbau in Weinsberg, die er im April 2009 nach zweijähriger Ausbildung als Brenner abgeschlossen hat. Obwohl ihm das Brennen vertraut war, kann er dem neu erworbenen Hintergrundwissen, den theoretischen Erkenntnissen oder der Gärungstechnologie viel abgewinnen.